Hormone & Haut: So verändert sich das Hautbild
Warum verändert sich die Haut im Laufe des Zyklus? Dr. Leoni Matt von FEMNA erklärt den Einfluss von Hormonen, Stress, Schlaf, Ernährung und Hautpflege.
Inhaltsübersicht
Viele kennen es: Kurz vor der Periode wird die Haut plötzlich schlechter. Warum ist das so?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Das kennen tatsächlich sehr viele. Kurz vor der Periode verändert sich der Hormonhaushalt und darauf reagiert oft auch die Haut. Die Haut ist ein sehr aktives, vielfältiges Organ und reagiert sensibel auf das, was im Körper passiert. Wahrscheinlich ist nicht ein einzelnes Hormon, sondern das Zusammenspiel aus Hormonveränderungen und Entzündungsbereitschaft der Haut entscheidend. Die Talgdrüsen der Haut reagieren vor allem auf Androgene, und zwar unterschiedlich stark bei jeder von uns.
Eine Rolle spielt auch, dass der ausgleichende Effekt des Östrogens wegfällt und gleichzeitig sich kurz vor der Menstruation die Immunantwort der Haut verändert. Manchmal bemerken wir auch rund um den Eisprung eine Veränderung, die sich dann auch in die zweite Zyklushälfte ziehen kann. Die Haut "merkt" also einfach, wenn sich hormonell etwas verändert.
Wie verändern Hormone unsere Haut generell – und warum reagieren manche stärker darauf als andere?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Hormone beeinflussen viele Funktionen der Haut; die Talgproduktion, Feuchtigkeit, Kollagenbildung, Hautbarriere und Entzündungsprozesse. Deshalb können sich hormonelle Veränderungen im Laufe des Zyklus auch im Hautbild widerspiegeln. Wie stark diese Veränderungen ausfallen, ist jedoch individuell unterschiedlich: Entscheidend sind nicht nur Hormonspiegel selbst, sondern auch, wie empfindlich die Haut auf Schwankungen reagiert. Genetische Voraussetzungen, Andockstellen der Hormone in der Haut und Lebensstil-Faktoren wie Stress, Schlaf, Ernährung, Bewegung oder Hautpflege spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.
Wie verändert sich die Haut eigentlich im Laufe des Zyklus?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: In der ersten Zyklushälfte, also in der Follikelphase, steigt das Östrogen langsam an. Das wirkt sich oft eher positiv auf die Haut aus: Sie kann besser Feuchtigkeit halten und insgesamt ruhiger sein. Rund um den Eisprung ist der Östrogenspiegel besonders hoch. Viele erleben ihre Haut dann als klarer und stabiler. Manchmal gibt es aber auch hier Unreinheiten, denn auch die Konzentration von Androgenen (z. B. Testosteron) nimmt jetzt zu und kann die Talgproduktion fördern. Manchmal reicht das, um Pickel zu begünstigen. In der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase, verändern sich die Hormonlagen wieder. Kurz vor der Periode fällt vor allem das Östrogen ab, während der Einfluss von Androgenen auf die Haut noch stärker spürbar sein kann. Die Rolle von Progesteron, dem Hormon, das in der zweiten Zyklusphase deutlich ansteigt, wird ebenfalls diskutiert, ist aber nicht ganz so eindeutig wie die von Östrogen und Androgenen.
Spielen Hormone auch bei Männern eine Rolle für Hautprobleme?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Auch bei Männern spielen Hormone, vor allem Androgene, eine Rolle für die Haut. Männer haben natürlicherweise höhere Testosteronspiegel als Frauen. Dieses Hormon zählt zu den Androgenen und kann die Talgproduktion anregen. Deshalb ist die Haut bei vielen Männern insgesamt öliger und neigt eher zu Unreinheiten oder Akne. Ölige Haut ist also nicht unbedingt Zeichen von schlechter Hygiene, sondern eben auch oft hormonell mitbedingt. Und auch ohne monatliche Schwankungen können Hormone die Haut deutlich beeinflussen, besonders in der Pubertät, aber auch später, je nach Hauttyp, Veranlagung und Lebensstil.
Welche Rolle spielen Stress, Schlaf und Ernährung für unreine Haut?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Stress, Schlaf und Ernährung können bei unreiner Haut auf jeden Fall eine Rolle spielen, meist aber nicht als alleinige Ursache, sondern eher als Verstärker. Gerade Stress kann sich deutlich auf die Haut auswirken: Er fördert generell Entzündungsprozesse im Körper, kann die Hautbarriere schwächen und dazu führen, dass Hautprobleme insgesamt stärker aufflammen oder langsamer abheilen.
Auch Schlaf ist sehr wichtig, weil sich die Haut in Ruhephasen regeneriert. Wenn wir dauerhaft zu wenig schlafen, wird die Haut empfindlicher und kann sich schlechter erholen.
Beim Thema Ernährung ist es etwas individueller. Sie ist ebenfalls selten allein verantwortlich für unreine Haut, kann aber einen Einfluss haben. Zum Beispiel sind sehr zuckerreiche oder stark verarbeitete Lebensmittel, manchmal auch Milchprodukte für manche Hauttypen ungünstig, manchmal jedoch auch nur in bestimmten Zyklusphasen.
Spannend ist außerdem der Zusammenhang zwischen Darm und Haut: Beide stehen über das Immunsystem und Entzündungsprozesse miteinander in Verbindung. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten unterstützt ein vielfältiges Darmmikrobiom und kann so auch die Hautgesundheit fördern.
Wer langfristig etwas für ein ruhiges Hautbild tun will, sollte neben Stressmanagement, Schlaf und ausgewogener Ernährung aber auch auf regelmäßige Bewegung achten, auch das hilft der Haut.
Wie beeinflusst die Pille beziehungsweise hormonelle Verhütung die Haut?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Das hängt von der Art der hormonellen Verhütung ab. Vor allem kombinierte Antibabypillen mit einem “antiandrogen” wirkenden Bestandteil können das Hautbild bei manchen Frauen verbessern. Sie schwächen die Wirkung der Androgene und können außerdem den Anteil des Testosterons im Blut senken. Dadurch können Unreinheiten zurückgehen. Wie schnell sich etwas verändert, ist jedoch unterschiedlich. Manche bemerken bereits nach einigen Wochen eine Besserung, bei anderen dauert es länger oder der Effekt bleibt eher gering. Hier muss natürlich immer individuell abgewogen werden, ob das ein sinnvoller Ansatz in der Behandlung sein kann, je nach Situation und Patientin.
Woran erkenne ich, dass meine Hautprobleme hormonell bedingt sein könnten?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Ein Hinweis kann sein, dass die Unreinheiten regelmäßig in bestimmten Phasen des Zyklus auftreten. Auch Unreinheiten, die vor allem am Kinn, rund um die Kieferlinie oder am unteren Gesicht auftreten, werden oft mit hormonellen Schwankungen in Verbindung gebracht. Wenn Hautprobleme neu auftreten, sehr hartnäckig sind oder zusammen mit Zyklusunregelmäßigkeiten, starkem Haarwuchs oder Haarausfall vorkommen, lohnt es sich, das ärztlich abklären zu lassen. Dann steckt möglicherweise mehr dahinter als nur die "falsche Pflege".
Auf Social Media gibt es unzählige Skincare-Trends. Welche Fehler sehen Sie bei jungen Menschen besonders häufig?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Ein häufiger Fehler ist, dass wir zu viele Produkte auf einmal benutzen und keine Konstanz haben, weil wir immer nach der nächsten, hoffentlich perfekten Lösung suchen. Wenn aber ständig neue Wirkstoffe dazukommen, wird die Haut eher gereizt als besser. Auch aggressive Peelings oder zu starkes Austrocknen sind ein Thema. Wenige, gut ausgewählte Inhaltsstoffe sind viel sinnvoller, als Produkte, die nach Mango riechen und vielleicht Inhaltsstoffe enthalten, die Akne oder auch andere Hautprobleme fördern. Und, nur weil ein Trend viral ist, heißt das noch lange nicht, dass er zur eigenen Haut passt. Dabei kann man sich auch mal von einer Hautärztin oder einem Hautarzt beraten lassen.
Welche drei einfachen Tipps helfen jungen Menschen dabei, ihre Haut langfristig gesund zu halten?
Dr. Leoni Matt / FEMNA: Wer den Kontakt mit potenziell problematischen Inhaltsstoffen reduzieren möchte, kann Apps oder Ingredient-Checker nutzen, um Kosmetikprodukte bewusster auszuwählen. Für die meisten Menschen ist eine einfache Hautpflegeroutine aus einem milden Reiniger, einer Feuchtigkeitspflege und einem täglichen Sonnenschutz die beste Basis für gesunde Haut, ergänzt durch einen ausgewogenen Lebensstil.
Dazu gehört auch eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung, die die Darmgesundheit unterstützt. Präbiotische Lebensmittel wie Zwiebeln, Lauch, Chicorée, Haferflocken oder Hülsenfrüchte sowie probiotische Lebensmittel wie Joghurt mit lebenden Kulturen, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi können zu einer vielfältigen Darmflora beitragen.
Wenn Akne oder Rosazea ein Thema sind, lohnt es sich, gemeinsam mit dermatologischem Fachpersonal die passenden medizinischen Wirkstoffe auszuwählen und der Haut Zeit zu geben.
Unser Angebot
FEMNA Care bietet vollumfängliche Begleitung für Frauen mit wiederkehrenden Zyklusbeschwerden. Dazu gehören Endometriose, Regelschmerzen, PCOS, PMS und PMDS. Unsere Versicherten können über sechs Monate kostenlos auf das gesamte Therapie- und Aufklärungsangebot von FEMNA Care zugreifen.
Darin enthalten sind:
- Einfühlsame persönliche Beratungen mit speziell geschulten Beraterinnen aus anerkannten Gesundheitsberufen.
- Tiefgehendes Expertenwissen in Videos von Deutschlands angesehensten Ärztinnen und Ärzten.
- Praktische Alltagshilfen zur direkten Umsetzung in Form von Workbooks, Yoga-Masterclasses, Meditationsübungen und mehr.
- Offener Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Frauen im geschützten Raum im kostenlosen Online-Format.
- Symptom-Tracker zur Überwachung von Krankheitsverläufen und als Hilfestellung für den Arztbesuch.
Wer dieses Angebot kostenfrei nutzen kann und wie die Teilnahme funktioniert, kannst du auf unserer Webseite nachlesen.