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Gesundheit 02/2021
Ein Mann sieht grübelnd zum Fenster hinaus

Psychische Beschwerden: „Prävention und Früherkennung sind hier das A und O“

Weltweit leiden mehr als 320 Millionen Menschen an Depressionen: In Deutschland ist jeder Sechste mindestens einmal im Laufe seines Lebens betroffen. Leider wird bei circa der Hälfte der Menschen mit Depressionen diese nicht richtig erkannt. Die Ergebnisse der Anfang des Jahres angelaufenen DISCOVER-Studie sollen helfen, die Früherkennung von Depressionen zu verbessern.

Dr. Kohlmann
PD Dr. rer. nat. Sebastian Kohlmann, psychologischer Psychotherapeut und Leiter der DISCOVER-Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind extrem häufig. Doch oftmals werden Symptome nicht richtig erkannt und behandelt. Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat mit DISCOVER eine internetbasierte Studie zur Früherkennung von Depressionen entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Mobil Krankenkasse regt DISCOVER Betroffene aktiv an, psychische Beschwerden rechtzeitig wahrzunehmen und sich gezielt helfen zu lassen.

Im Interview erklärt PD Dr. rer. nat. Sebastian Kohlmann, psychologischer Psychotherapeut und Leiter der DISCOVER-Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, welche Chancen in der Früherkennung liegen und wie man seine psychische Gesundheit selbst unterstützen kann.

Dr. Kohlmann, in der aktuell laufenden DISCOVER-Studie geht es um die onlinebasierte Früherkennung von psychischen Beschwerden. Welches Potenzial sehen Sie darin?

Psychische Beschwerden sind extrem häufig. Wenn wir Stress ausgesetzt sind, ist es ganz normal, darauf zu reagieren, z. B. mit Unruhe, Angst oder schlechtem Schlaf. Wenn psychische Beschwerden aber länger anhalten und ein bestimmtes Ausmaß erreichen, können sie zu psychischen Erkrankungen führen – der Übergang ist oft fließend. Prävention und Früherkennung sind hier das A und O: Je früher psychische Beschwerden als solche erkannt werden, desto besser können sie behandelt werden. Deutlich wird das am Beispiel der Depression. Sehr viele Menschen leiden einmal im Laufe ihres Lebens daran, und sehr häufig treten die Depressionen bei ihnen wiederkehrend auf. Je früher hier mit einer Behandlung gegengesteuert wird, desto besser schlägt diese an und desto größer ist die Chance, dass Menschen nicht erneut erkranken. Die DISCOVER-Studie untersucht, wie man Früherkennung verbessern kann. Langfristig wollen wir dabei helfen, dass Betroffene psychische Beschwerden in einem frühen Stadium besser einschätzen können und damit eine Orientierung haben, ab wann und wo sie sich Hilfe suchen sollten.

Gibt es bestimmte Auslöser für Depressionen?

Es gibt bestimmte Faktoren, die eine Depression wahrscheinlicher machen, z. B. traumatische Erlebnisse. Es gibt aber keine allgemeingültigen Auslöser, die für alle Menschen immer gelten. Depressionen können gehäuft in Lebensphasen auftreten, in denen Umbrüche stattfinden, wie z. B. der Beginn des Studiums, die Geburt eines Kindes oder der Eintritt in den Ruhestand. Entscheidend ist aber vor allem auch, warum die negative Stimmung nicht einfach nach ein paar Tagen wieder weggeht. Als Psychotherapeut fragt man also eher, welche Faktoren erhalten die Depression aufrecht? Bei vielen Menschen hat das etwas mit Emotionsvermeidung zu tun, also der fehlenden Auseinandersetzung mit den eigenen negativen Gefühlen. Vielen Menschen fällt es z. B. schwer, genau zu sagen, wie sie sich fühlen. In der Psychotherapie ist deshalb ein erster Schritt oft, die Wahrnehmung auf die Empfindungen zu lenken, z. B. mithilfe von Symptomtagebüchern oder Depressionsfragebögen. Damit kann erreicht werden, dass Betroffene feststellen, dass die eigene Stimmung bestimmte Nuancen hat und womit diese Nuancen eigentlich zusammenhängen.

Ihre neue Studie DISCOVER läuft seit Januar 2021 und soll Anfang 2022 abgeschlossen werden. Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit mit der Mobil Krankenkasse?

Wir freuen uns, dass die Mobil Krankenkasse das Thema psychische Gesundheit aufgreift: Es ist enorm wichtig, ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür zu schaffen, dass Gesundheit nicht nur körperlich, sondern auch psychisch ist. Aktuell haben wir knapp 300 Studienteilnehmende eingeschlossen und weitaus über 1.000 Interessenten haben die Website besucht und den Fragebogen beantwortet. Das zeigt ein großes Interesse, was uns sehr freut. In Bezug auf DISCOVER erhoffen wir uns, Menschen zu erreichen, die sonst weniger das Internet nutzen. Das können z. B. ältere Menschen sein. Gerade in späteren Lebensphasen leiden viele Menschen an psychischen Beschwerden, da das Altern auch viele Herausforderungen mit sich bringt. Ich finde es toll, dass die Mobil Krankenkasse das Thema Prävention von psychischen Beschwerden aktiv vorantreibt: Über psychische Gesundheit darf gesprochen werden – je früher, desto besser. Es ist ja auch im Interesse einer jeden Krankenkasse, Menschen frühzeitig Hilfe anzubieten. Und je früher man bei psychischen Beschwerden hilft, umso besser sind die Behandlungschancen und vor allem: Umso schneller können sich Betroffene wieder gesund fühlen.

Wie kann man selbst für seine psychische Gesundheit sorgen?

Es gibt eine Menge Dinge, die man tun kann, um etwas für seine psychische Gesundheit zu tun. Generell hilft es, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und sich im Alltag an diesen zu orientieren. Bedürfnisse sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manchen tut es gut, wenn sie sich regelmäßig bewegen, z. B. einen Spaziergang in der Mittagspause machen; andere Menschen genießen es, Musik zu hören oder zu kochen. Man sollte mehr in sich horchen, was einem guttut. Des Weiteren ist es wichtig, seine Emotionen wahrzunehmen und sich im Alltag einen Ort zu suchen, wo man z. B. Traurigkeit oder Ärger, aber auch Freude ausdrücken kann. Dazu gehört natürlich auch wahrzunehmen, wann es sinnvoll ist, sich Hilfe bei einem Arzt oder einem Psychotherapeuten zu suchen.

Weitere Informationen finden Interessierte unter discover-studie.de

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Zum Ablauf der Studie

Wer sich für eine Teilnahme entschieden hat, wird eingeladen, wissenschaftlich evaluierte Online-Fragebögen auszufüllen – das dauert nur 10 Minuten. Circa jeder sechste Teilnehmende wird dann nach einem Monat und nach sechs Monaten nochmal per Telefon befragt. So kann der Verlauf des psychischen Wohlbefindens über die Zeit hinweg erfasst werden.

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