Wege aus der Sucht

Eine Sucht zu überwinden ist ein fordernder Prozess. Welche Schritte helfen beim Ausstieg und wo finden Betroffene Unterstützung?

 

Drei Personen finden aus ihrer Sucht in einer Gruppentherapie

Eine Sucht zu erkennen und sich einzugestehen, ist oft der erste wichtige Schritt, um sie hinter sich zu lassen. Doch wie gelingt der Ausstieg? Welche Schritte helfen jetzt weiter – und wo finden Betroffene Unterstützung?

Wege aus der Sucht: Loslassen und neue Schritte wagen

Ob Alkohol oder Nikotin, Glücksspiel oder Mediennutzung: Alle Formen der Sucht haben gemeinsam, dass sie das Wohlbefinden, die Lebensgestaltung und Beziehungen stark beeinträchtigen können. Wie sich solche Dynamiken entwickeln, lässt sich am Beispiel Cannabis besonders gut nachvollziehen.

Wenn Konsum eine Funktion übernimmt

Seit Jahren ist in Deutschland ein Anstieg des Konsums zu beobachten.¹ Durch die Teillegalisierung hat sich dieser zwar nicht signifikant verändert, es wird jedoch häufiger offen darüber gesprochen. Die gesellschaftliche Normalisierung unterstreicht, wie wichtig ein reflektierter Umgang ist. Cannabis wird häufig nicht aus reiner Lust, sondern aus funktionalen Gründen genutzt, etwa um abzuschalten oder belastende Gedanken zu dämpfen. Fehlt eine bewusste Auseinandersetzung damit, kann sich der Konsum allmählich verselbstständigen.

Was alle Formen von Sucht gemeinsam haben

Unabhängig von der Substanz oder dem Verhalten folgt Sucht oft ähnlichen Mustern. Entscheidend ist nicht das einzelne Mittel, sondern die Bedeutung, die es im Alltag bekommt. Sucht ist keine Frage von Willenskraft, sondern eine behandelbare Erkrankung, bei der körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken. Gerade deshalb lohnt es sich, früh aufmerksam zu werden. Die folgenden Schritte können dabei helfen, den eigenen Weg aus der Sucht zu finden.

  1. Wahrnehmen statt verdrängen

    Am Anfang steht oft ein ungutes Gefühl, etwas reduzieren zu wollen – und doch immer wieder daran zu scheitern. Solche Gedanken ernst zu nehmen, ist bereits ein wichtiger Schritt. Hilfreich kann es sein, das eigene Verhalten eine Zeit lang bewusst zu beobachten: In welchen Situationen greife ich zur Substanz oder falle in bestimmte Verhaltensmuster? Was erhoffe ich mir davon? Diese Selbstreflexion schafft Abstand und ermöglicht es, Muster zu erkennen – ohne sich selbst zu verurteilen.

  2. Hilfe annehmen

    Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Hilfe erst „ganz unten“ notwendig sei. Tatsächlich gilt: Je früher Unterstützung in Anspruch genommen wird, desto leichter lassen sich Veränderungen umsetzen. Gespräche mit Hausärzten, psychotherapeutische Beratung oder spezialisierte Suchtberatungsstellen bieten einen geschützten Rahmen, um offen über Konsum, Sorgen und Ziele zu sprechen. Auch Selbsthilfegruppen sowie digitale und telefonische Angebote können erste Anlaufstellen sein und Austausch auf Augenhöhe ermöglichen.

  3. Veränderungen im Alltag verankern

    Langfristige Veränderung gelingt selten durch radikale Einschnitte allein. Bewährt haben sich alltagstaugliche Strategien wie alternative Formen der Stressbewältigung, feste Strukturen, Bewegung oder das Wiederentdecken von Aktivitäten, die unabhängig von der Sucht Freude bereiten. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um realistische, gut umsetzbare Schritte im eigenen Alltag.

  4. Unterstützung im Umfeld nutzen

    Viele Betroffene berichten, dass soziale Unterstützung eine zentrale Rolle spielt. Offenheit gegenüber vertrauten Menschen kann Rückhalt schaffen und entlasten – gerade dann, wenn Veränderungen Kraft kosten. Unterstützung von außen hilft, den Druck zu mindern, alles allein bewältigen zu müssen, und kann Motivation und Zuversicht stärken.

Rückfälle gehören zum Prozess

Veränderungen verlaufen selten geradlinig. Viele Menschen erleben auf dem Weg aus der Sucht Phasen, in denen alte Muster wieder auftauchen. Solche Rückschläge sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil eines Lernprozesses. Entscheidend ist, wie diese Situationen eingeordnet werden. Sie können Hinweise darauf geben, welche Auslöser besonders wirksam sind und wann zusätzliche Unterstützung hilfreich wäre.

Professionelle Unterstützung suchen

Eine psychotherapeutische Beratung kann helfen, die Auslöser zu verstehen und neue Strategien zu entwickeln. Besonders wirksam ist die kognitive Verhaltenstherapie, die Gedanken und Gewohnheiten rund um das Thema Sucht verändert.

► Alle wichtigen Informationen zu unseren psychotherapeutischen Angeboten haben wir Ihnen auf unserer Webseite zusammengestellt.

Auch Selbsthilfegruppen bieten praktische und emotionale Unterstützung. Erste Anlaufstellen und Kontakte finden Sie im Internet.

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Autor: Mobil Krankenkasse