Frau mit Kopfschmerzen Aktuelle Ausgabe

Aktiv gegen Kopfschmerzen und Migräne

Wer unter Kopfschmerzen oder Migräne leidet, muss nicht immer zu Medikamenten greifen: Physiotherapeut Benjamin Schäfer erläutert mögliche Schmerzursachen und Übungen, mit denen man verschiedene Arten von Kopfschmerzen behandeln kann.

Jeder dritte Deutsche leidet an Kopfschmerzen. Schmerz ist dabei nicht gleich Schmerz: Rund 320 Arten von Kopfschmerzen sind bekannt. Außerdem werden primäre und sekundäre Formen unterschieden. Bei primären Kopfschmerzen stellt der Schmerz selbst die Erkrankung dar – die Ursache ist unbekannt, weshalb man in der Regel von Auslösern spricht. Sekundäre Kopfschmerzen sind hingegen die Folge einer zugrunde liegenden Erkrankung, zum Beispiel einer Erkältung oder Gehirnerschütterung. Zu den häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen zählen Spannungskopfschmerzen und Migräne. „Für beide gibt es eine Reihe verschiedener Auslöser, die auch in ihrer Kombination zu Schmerzen führen können“, weiß Physiotherapeut Benjamin Schäfer, der seit vielen Jahren in Schmerzkliniken arbeitet. Im Interview hat er uns mehr darüber verraten.

Mobil Krankenkasse: Herr Schäfer, welche Auslöser führen besonders oft zu Migräne und welche zu Spannungskopfschmerzen?

Benjamin Schäfer: Bei Migräne sind laut einer großen Patientenumfrage die häufigsten Auslöser Stress beziehungsweise Stressabfall, Hormonschwankungen bei Frauen, ausgelassene Mahlzeiten, Wetterumschwünge, Schlafunregelmäßigkeiten, Duftstoffe, helles Licht, Lärm, Nackenschmerzen, Alkohol und Süßigkeiten – in dieser Reihenfolge. Tatsächlich gibt es hier aber nicht immer einen ursächlichen Zusammenhang, da die vermeintlichen „Trigger“ auch schon Teil der Migräne sein können. Oft handelt es sich zudem um eine Anhäufung verschiedener Faktoren. Und es kann auch sein, dass eine Person in einer stressigen Lebensphase sehr empfindlich für verschiedene Auslöser ist und in einer entspannten Phase deutlich weniger.

Physiotherapeut Benjamin Schaefer
Physiotherapeut Benjamin Schäfer

Im Vergleich zur Migräne gibt es bei Spannungskopfschmerzen weniger Studien, was die Auslöser der Schmerzen angeht. Auch über die Mechanismen in unserem Körper ist weniger bekannt als bei der Migräne. Viele Betroffene geben ebenfalls dysfunktionalen Stress als Auslöser oder Verstärker an. Es existieren zudem Studien, die zeigen konnten, dass auch eine schlechte Körperhaltung Kopfschmerzen triggern kann. Wie bei der Migräne und vielen anderen Schmerzerkrankungen handelt es sich oft um ein Sammelsurium von Einflussfaktoren, sodass sich eine interdisziplinäre Therapie beziehungsweise eine multimodale Schmerztherapie lohnt.

Mobil Krankenkasse: Kann man selbst herausfinden, unter welcher Art Kopfschmerzen man leidet?

Benjamin Schäfer: Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Kopfschmerzkalender zu führen. Die Betrachtung eines Zeitraums von etwa drei Monaten kann helfen, die Erkrankung besser einzuschätzen. Gemeinsam mit einem Arzt ist es dann möglich, die individuell passende Therapieentscheidung zu treffen. Praktisch sind auch verschiedene Kopfschmerz-Apps, die neben einem mobilen Kopfschmerztagebuch noch einige weitere Anwendungen bieten.

Mobil Krankenkasse: Welche Möglichkeiten haben Migränepatienten, der nächsten Schmerzattacke vorzubeugen?

Benjamin Schäfer: Insgesamt rücken Ärzte und Therapeuten immer mehr davon ab, Patienten zu empfehlen, potenzielle Trigger zu vermeiden. Dennoch sind bei Migräne nach wie vor bestimmte Empfehlungen hinsichtlich des Lebensstils aktuell. So ist es ratsam, Hektik und Multitasking zu vermeiden, regelmäßige Schlaf- und Mahlzeiten einzuhalten, nach einer Stressphase nicht zu schnell zu entspannen und auf eine gute Balance zwischen Bewegungs- und Entspannungseinheiten zu achten. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass tägliche Entspannung, zum Beispiel mithilfe von autogenem Training, progressiver Muskelrelaxation, Meditation, Yoga und Qigong, sowie dreimal wöchentlich 40 Minuten aerobes Ausdauertraining positive Effekte haben. Gleiches gilt für eine psychotherapeutische Behandlung, Biofeedback und Physiotherapie. Es gibt zudem Belege dafür, dass es allein schon einen positiven Effekt haben kann, sich umfassend über seine Erkrankung zu informieren.

Mobil Krankenkasse: Was kann man bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp präventiv tun?

Benjamin Schäfer: Auch hier sollten Betroffene auf die eben genannten Lebensstilfaktoren achten, sich mehr mit ihrer Erkrankung beschäftigen und regelmäßig Entspannungs- und Sporteinheiten einplanen. Im Zuge der körperlichen Untersuchung finden Physiotherapeuten bei Menschen mit Spannungskopfschmerzen häufiger Bewegungseinschränkungen oder sogenannte myofasziale Triggerpunkte als bei schmerzfreien Probanden. Myofasziale Triggerpunkte sind schmerzhafte Bereiche in verspannten Muskeln. Oftmals sind diese auch eine Folge der Kopfschmerzerkrankung und werden durch eine schlechte Körperhaltung verstärkt. Wie in einem Teufelskreis können sie dann erneut Kopfschmerzen oder eine Migräneattacke hervorrufen. Wenn dies der Fall ist, sollte der Patient zur regelmäßigen Eigentherapie dieser Muskeln angeleitet werden.


Mobil Krankenkasse: Was ist bei der Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen wichtig?

Benjamin Schäfer: Man sollte sich wie gesagt nicht auf eine Therapie oder einen Trigger konzentrieren, sondern in alle Richtungen schauen. Am besten konsultiert man einen ärztlichen Experten, den man beispielsweise auf der Webseite der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft finden kann. Bei vielen Kopfschmerztagen empfiehlt es sich außerdem, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Und es ist ratsam, sich gründlich manualtherapeutisch von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Physiotherapeuten untersuchen zu lassen. Der nächste wichtige Punkt ist dann die konsequente Umsetzung der Empfehlungen. Klappt es mit dem Abschalten nicht, sollte man erst recht den Schwerpunkt auf Entspannungstechniken legen. Besondere Vorsicht ist übrigens bei der Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen, einem speziellen Medikament gegen Migräne, geboten: Sie können bei übermäßigem Gebrauch zu noch mehr Kopfschmerztagen führen, weshalb man laut Leitlinie nicht an mehr als zehn Tagen pro Monat zu ihnen greifen sollte.

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