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Stille Entzündungen im Körper: Was dahintersteckt
Entzündungen sind ein wichtiger Schutzmechanismus unseres Körpers. Doch was passiert, wenn Entzündungsprozesse unbemerkt ablaufen und über längere Zeit bestehen bleiben?
Arzt und Apothekerin im Interview
Felix und Jennifer Aaslepp, auf Instagram bekannt als „arzt_und_apothekerin“, erklären, was hinter sogenannten stillen Entzündungen steckt, wie sie sich äußern können und welche gesundheitsfördernden Gewohnheiten im Alltag sinnvoll sein können.
Jennifer Aaslepp ist Apothekerin und kennt die Fragen, die Menschen im Alltag rund um Gesundheit, Medikamente und Prävention beschäftigen. Felix Aaslepp ist Arzt und bringt unter anderem seine Erfahrungen aus der Notfallmedizin ein. Gemeinsam ordnen sie Gesundheitsthemen verständlich ein: fachlich fundiert und nah am Alltag.
Der Begriff „stille Entzündungen“ taucht immer häufiger auf. Doch was genau steckt dahinter und worin unterscheiden sie sich von akuten Entzündungen, die direkt bemerkt werden?
Jennifer und Felix Aaslepp: Entzündungen sind grundsätzlich etwas Positives. Sie helfen unserem Körper, Krankheitserreger zu bekämpfen oder verletztes Gewebe zu reparieren. Akute Entzündungen machen sich meist deutlich bemerkbar, zum Beispiel durch Schmerzen, Rötungen, Schwellungen oder Fieber. Stille Entzündungen verlaufen dagegen oft unbemerkt. Sie sind meist niedriggradig, können über Monate oder sogar Jahre bestehen und verursachen zunächst keine eindeutigen Beschwerden. Gerade weil sie so unauffällig verlaufen, bleiben sie häufig lange unentdeckt.
Wie können sich stille Entzündungen im Körper äußern? Gibt es typische Anzeichen oder Beschwerden, bei denen man genauer hinschauen sollte?
Jennifer und Felix Aaslepp: Genau das macht stille Entzündungen so schwierig: Es gibt keine typischen Beschwerden. Manche Betroffene berichten von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder einem allgemeinen Gefühl, nicht richtig fit zu sein. Diese Symptome können allerdings viele verschiedene Ursachen haben und sind keineswegs ein Beleg für eine stille Entzündung. Deshalb sollte man einzelne Beschwerden nicht überbewerten. Halten sie über längere Zeit an oder kommen weitere Symptome hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
An welchen Stellen im Körper können solche unterschwelligen Entzündungsprozesse eine Rolle spielen?
Jennifer und Felix Aaslepp: Stille Entzündungen betreffen nicht nur ein einzelnes Organ, sondern können den gesamten Körper beeinflussen. Sie werden unter anderem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, einer Fettleber oder bestimmten Gelenkerkrankungen in Verbindung gebracht. Auch bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen wird ihr möglicher Einfluss derzeit intensiv erforscht. Wichtig ist jedoch: Eine stille Entzündung bedeutet nicht automatisch, dass eine dieser Erkrankungen entsteht. Sie gilt vielmehr als ein möglicher Risikofaktor unter vielen.
Welche Faktoren können stille Entzündungen begünstigen? Welche Rolle spielen dabei Ernährung, Bewegungsmangel, Stress, Schlaf, Rauchen oder Übergewicht?
Jennifer und Felix Aaslepp: Unser Lebensstil spielt tatsächlich eine große Rolle. Übergewicht, insbesondere ein hoher Anteil an Bauchfett, Bewegungsmangel, Rauchen, chronischer Stress und dauerhaft zu wenig Schlaf können Entzündungsprozesse im Körper begünstigen. Auch die Ernährung hat Einfluss. Eine stark verarbeitete, zucker- und energiereiche Ernährung scheint Entzündungsprozesse eher zu fördern. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und hochwertigen Fetten wird dagegen eher mit einer geringeren Entzündungsaktivität in Verbindung gebracht.
Lassen sich stille Entzündungen überhaupt messen oder eindeutig feststellen? Welche Blutwerte oder Untersuchungen können Hinweise geben und wo liegen die Grenzen?
Jennifer und Felix Aaslepp: Einen einzelnen Blutwert, der stille Entzündungen eindeutig nachweist, gibt es leider nicht. Häufig werden Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) bestimmt. Auch das sogenannte hochsensitive CRP (hs-CRP) kann Hinweise auf niedriggradige Entzündungsprozesse liefern. Diese Werte sind allerdings unspezifisch. Sie können beispielsweise auch bei einer Erkältung, nach Verletzungen oder aus vielen anderen Gründen erhöht sein. Deshalb sollten Laborwerte immer gemeinsam mit den Beschwerden und der Krankengeschichte beurteilt werden.
In einem früheren Mobil-e-Interview hat die Ernährungswissenschaftlerin Lisa Nentwich erklärt, welche Rolle eine antientzündliche Ernährung spielen kann. Welche Lebensmittel oder Ernährungsgewohnheiten empfehlen Sie im Alltag, um Entzündungsprozesse positiv zu beeinflussen, und welche sollte man eher meiden?
Jennifer und Felix Aaslepp: Eine einzelne „Wunderzutat“ gibt es leider nicht. Entscheidend ist vielmehr das gesamte Ernährungsmuster. Empfehlenswert sind viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse sowie pflanzliche Öle wie Olivenöl. Auch fettreicher Seefisch liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Dagegen lohnt es sich, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke und Alkohol zu reduzieren. Dabei geht es nicht um Verbote, sondern um eine ausgewogene Ernährung, die langfristig gut in den Alltag passt.
Welche einfachen Schritte werden Sie Menschen empfehlen, die nicht gleich ihr ganzes Leben umstellen möchten?
Jennifer und Felix Aaslepp: Unser Tipp: Verändern Sie nicht alles auf einmal. Oft machen bereits kleine Gewohnheiten langfristig einen großen Unterschied. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Stressabbau und eine ausgewogene Ernährung bilden die Grundlage für einen gesunden Lebensstil. Wer zum Beispiel täglich einen kleinen Spaziergang einplant, häufiger selbst kocht und auf ausreichend Schlaf achtet, tut seinem Körper bereits etwas Gutes. Gesundheit entsteht selten über Nacht, sondern durch viele kleine Entscheidungen, die wir Tag für Tag treffen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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