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Ausgabe 03/2021
Gesundheit 03/2021
Junger Mann, mit peinlich berührtem Gesichtsausdruck Aktuelle Ausgabe

Tabuthema sexuell übertragbare Infektionen: Risiken und Schutz

Manchmal juckt es, manchmal brennt es, oft werden sie aber erst bei einer ärztlichen Behandlung entdeckt – sexuell übertragbare Krankheiten.

Vor 20 Jahren dachte man bei diesen Erkrankungen in erster Linie an AIDS und vielleicht noch an Chlamydien. Heute ist die öffentliche Wahrnehmung zum Glück weiter und auch die Enttabuisierung des Themas durch einen modernisierten Biologieunterricht in Schulen, Aufklärungskampagnen und Social-Media-Accounts für eine junge Zielgruppe unterstützen die Aufklärungsarbeit. Wir haben mit Dr. Nikolaus Schmidt-Sibeth von der TeleClinic über ein Thema gesprochen, das nicht nur junge Menschen betreffen kann.

TeleClinic
Dr. Nikolaus Schmidt-Sibeth von der TeleClinic
© captivation.de

Mobil Krankenkasse: Dr. Schmidt-Sibeth, haben Sie eine Erklärung dafür, warum sexuell übertragbare Krankheiten auch heute noch vielen Menschen peinlich sind?

Dr. Schmidt-Sibeth: Das Thema Sexualität ist trotz seiner Omnipräsenz immer noch stark schambehaftet. Krankheiten, die durch sexuelle Praktiken übertragen werden, sind für viele Menschen ohnehin befremdlich. Die will man nicht haben, also befasst man sich lieber gar nicht damit. Das ist natürlich tückisch und gefährdet die eigene und die Gesundheit anderer. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar, dass wir hier über das wichtige Thema der STI (sexuell übertragbaren Infektionen) sprechen und damit zur Enttabuisierung beitragen können.

Mobil Krankenkasse: Welche dieser Erkrankungen kommen denn besonders häufig vor?

Dr. Schmidt-Sibeth: Die genaue Datenerhebung bei den STI in Deutschland ist schwierig, da nur die Erkrankungen HIV und Syphilis meldepflichtig sind, in Sachsen auch die Gonorrhoe. Von den letzten beiden weiß man leider von deutlich wachsenden Infektionszahlen. Auch gibt es Unterschiede beim Risiko innerhalb der Bevölkerung. So haben MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) ein höheres Risiko für eine STI mit Syphilis und HIV, jüngere Frauen für Chlamydien und HPV.

In einer zwischen 2003 und 2009 durchgeführten und beim Robert Koch-Institut 2010 veröffentlichten STI-Sentinel-Studie hat man folgende Krankheiten nachgewiesen: Die häufigste waren Chlamydien, dann folgt die Gonorrhoe, die Syphilis, Trichomonaden und HIV. Weiter kommen auch Herpes genitalis, Hepatitis B und C, Filzläuse und Krätze vor, denn auch sie können beim Sex übertragen werden. Die durch humane Papillomviren (HP-Viren, HPV) verursachten Genitalwarzen, zu finden im Genital- und Analbereich, selten auch im Mundbereich, nehmen weltweit zu und sind mittlerweile weltweit die häufigste STI. Sie werden bei ca. 1 % der sexuell aktiven Erwachsenen in Europa zwischen dem 15. und dem 45. Lebensjahr nachgewiesen (Quelle: https://www.dstig.de/was-sind-stdsti/genitalwarzen.html). Mit Ausnahme von HIV und Syphilis erlaubt die derzeitige Datenlage zu STI leider keine ganz genauen Rückschlüsse auf das tatsächliche Infektionsgeschehen in Deutschland.

Mobil Krankenkasse: Dass Kondome vor Aids schützen, ist bekannt, aber wie sieht es bei Chlamydien, HPV und Co. aus? Reicht da ein Kondom?

Dr. Schmidt-Sibeth: Kondome sind ein sehr wirksamer Schutz vor STI und natürlich auch vor Schwangerschaften. Die Anwendung ist also in jedem Fall dringend zu empfehlen, gerade wenn man sich in eine neue Beziehung begibt oder auch seine Sexualität mehr oder weniger ungebunden ausleben möchte. Bei HPV z.B. reicht ein Kondom jedoch nicht aus, um z.B. Genitalwarzen vollständig zu verhindern. Hier gilt als Goldstandard die prophylaktische Impfung, und zwar sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen. Im Impfkalender der STIKO wird diese Impfung mit zwei Dosen im Abstand von mindestens fünf Monaten im Alter von 9 bis 14 empfohlen. Sie schützt auch vor den Hochrisikotypen der HP-Viren, die bei Frauen u.a. zu Gebärmutterhalskrebs führen können.

Mobil Krankenkasse: Ein Gedanke, den viele Menschen gern aussparen: Nicht nur beim „normalen“ Geschlechtsverkehr, sondern auch beim Oralverkehr sind einige Krankheiten übertragbar. Welche sind das und wie kann man sich hier schützen?

Dr. Schmidt-Sibeth: Am besten schützen kann man sich durch sogenannten Safer Sex. Dabei wird vermieden, dass Körperflüssigkeiten wie Sperma, Scheidenflüssigkeit und Blut in den Körper der Partnerin oder des Partners gelangen. Dies kann z.B. durch die sachgemäße Anwendung von Kondomen für den Penis und Latex- oder Lecktüchern für die Vulva erreicht werden, um auch den Kontakt der Mundschleimhaut mit potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten sowie den Kontakt mit krankheitsbedingten Hautveränderungen zu vermeiden. Scheidenspülungen und Intimsprays können den ausgeglichenen Bakterienhaushalt der Scheide schädigen. Die Scheide trocknet aus, Krankheitserreger können leichter eindringen. Ein Schutz vor den STI kann hiermit nicht erreicht werden, eher das Gegenteil ist der Fall.  

Mobil Krankenkasse: Welches sind die ersten Schritte, wenn man glaubt, sich angesteckt zu haben?

Dr. Schmidt-Sibeth: Die häufigsten Symptome von STI sind Ausfluss aus Harnröhre oder Scheide, schmerzhafte oder schmerzlose genitale Geschwüre, Schwellung der Leistengegend oder der Hoden oder Unterbauchschmerzen. Oft verursachen STI jedoch keine Schmerzen oder andere Symptome und bleiben deshalb unbemerkt und unbehandelt.

Wenn Symptome auftreten oder wenn man ungeschützt Sex mit einer Person hatte, deren Infektionsstatus unklar ist, sollte immer eine Vorstellung beim Haus- oder Facharzt erfolgen! Lieber einmal zu viel getestet als zu wenig. Im Bereich der asymptomatischen Erkrankungen kann man z.B. bei einer Vorsorgeuntersuchung gut mit seinem Arzt oder seiner Ärztin sprechen, welche Untersuchungen sinnvoll sind.

Auch Selbsttests sind mittlerweile möglich und liefern für einige STI gute Ergebnisse. Hier sollte man aber auf jeden Fall auf einen zertifizierten und seriösen Anbieter achten und bei der Probenentnahme genau nach Anweisung vorgehen.

Der Königsweg bleibt aber sicher ein guter Selbstschutz durch Safer Sex und das offene und vertrauensvolle Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und, falls notwendig, die Untersuchung und je nach Befund dann die richtige Behandlung dort. 

Mobil Krankenkasse: Und was ist zu tun, wenn man sicher weiß, dass man mit einer dieser Krankheiten infiziert ist?

Dr. Schmidt-Sibeth: Wenn die Untersuchungsergebnisse eine STI gesichert haben, ist die Vorstellung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt oder – je nach dem Weg, der zur Diagnostik geführt hat – auch gleich bei der entsprechend spezialisierten Fachärztin oder dem Facharzt notwendig. Hier wird dann gemäß den entsprechenden Leitlinien eine Therapie begonnen und deren Erfolg auch kontrolliert. Auch der Partner oder die Partnerin muss mit untersucht und ggf. mit behandelt werden. Sonst kommt es zu einer Pingpong-Infektion, was auf jeden Fall zu vermeiden ist. 

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Mit einer Geschlechtskrankheit zum Arzt? Wie peinlich! Hier hilft die TeleClinic:

Mit dem Verdacht auf eine sexuell übertragbare Erkrankung zum Hausarzt oder zur Hausärztin zu gehen, der oder die einen schon seit Jahren behandelt, ist vielen Menschen unangenehm. Hier kann ein Erstgespräch mit einem Arzt unseres Partners TeleClinic, Deutschlands führender Anbieter für Online-Arztgespräche, weiterhelfen. Diskret und online, an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr stehen Ihnen die Fachleute der TeleClinic per Videogespräch zur Verfügung. 

Lesen Sie hier alle Informationen über die TeleClinic und Ihre Vorteile als Versicherte der Mobil Krankenkasse.

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