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Ausgabe 01/2025
Gesundheit 01/2025
Eine junge Frau sitzt am Schreibtisch und hält sich den Nacken. Aktuelle Ausgabe

Kopf- und Rückenschmerzen: Warum beides oft zusammenhängt

Kopf- und Rückenschmerzen sind weit verbreitete Beschwerden, unter denen viele Menschen in ihrem Alltag leiden. Oft werden sie als getrennte Probleme betrachtet, doch das Erscheinungsbild ist meist komplexer: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen diesen beiden Arten von Schmerzen.

Edo Hemar
Edo Hemar

Verspannungen und Fehlhaltungen im Rückenbereich können häufig zu Kopfschmerzen führen, während umgekehrt Kopfschmerzen, insbesondere Spannungskopfschmerzen, die Muskulatur im Nacken und im oberen Rückenbereich in Mitleidenschaft ziehen können.

Wir haben mit dem Experten Edo Hemar über den Zusammenhang von Kopf- und Rückenschmerzen, eine mögliche Behandlung und ein gezieltes Training gesprochen, die eine nachhaltige Verbesserung/Linderung erzielen können. Herr Hemar ist Sportwissenschaftler, Physiotherapeut, Osteopath, war selbst Leistungssportler und später, nach seiner aktiven, erfolgreichen Sportlerkarriere, als Coach/Therapeut, u. a. von Sven Hannawald, Arnold Schwarzenegger und den Klitschko-Brüdern tätig.

Herr Hemar, viele Menschen leiden sowohl unter Rückenschmerzen als auch unter Kopfschmerzen – aber wo genau besteht der Zusammenhang zwischen beiden? Warum treten diese Beschwerden oft gemeinsam auf?

Edo Hemar: Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sind oft nicht einzelne Problemzonen, sondern Teil einer funktionellen übergreifenden Verbindung und einer daraus resultierenden Schonstellung/Schonhaltung.

Der Körper funktioniert als eine Einheit über eine sogenannte Ursache-Folge-Kette. Das bedeutet, dass verschiedene Strukturen wie die Wirbelsäule, das Bindegewebe und die Muskulatur nicht isoliert betrachtet werden können. Diese sind eng miteinander verbunden bzw. gekoppelt und beeinflussen und unterstützen sich gegenseitig.

Besonders die Muskeln im Hals-, Nacken- und oberen Rückenbereich stehen über verschiedene Muskelketten sogar in Verbindung mit dem Bauchraum. Verspannungen in einer Region können sich also jederzeit auf andere Bereiche auswirken – ein Phänomen, das man als gekoppelte Schmerzübertragung bezeichnet.

Ein typisches Beispiel ist die Kopf- und Körperhaltung bei langem Sitzen: Wer stundenlang in einer schlechten Haltung am Schreibtisch sitzt, belastet auch die Nacken- und Kiefermuskulatur.

Durch diese Fehlhaltung entstehen mehrere negative Auswirkungen:
 

  • Überlastung der Nackenmuskulatur: Sie muss das Gewicht des Kopfes aus einer anstrengenden Position halten.
  • Verkürzung der Brustmuskulatur: Die Funktion des gesamten vorderen Körperbereichs wird anstrengender und ermüdender, was die Körperhaltung weiter beeinflusst und beeinträchtigt.
  • Verschlechterung der Atmung: Da der Brustkorb weniger funktionell geöffnet werden kann und weniger nach oben gerichtet ist, atmen viele Menschen flacher, wodurch nicht nur weniger Sauerstoff ins Blut gelangt, sondern auch die Aufrichtung des Körpers beeinträchtigt wird.
  • Stauung im Bauchraum: Besonders wenn zusätzlich viele zuckerhaltige oder schwere Nahrungsmittel konsumiert werden, kann es zu einer eingeschränkten Verdauung, Entsorgung und Versorgung kommen.

Diese Dauerbelastung führt dazu, dass die Durchblutung und Versorgung beeinträchtigt wird und die Strukturen gereizt werden. Dadurch können Kopfschmerzen oder Migräne entstehen. Über die Zeit führt diese passive unvorteilhafte Haltung zu funktionellen Einschränkungen, die sich nicht nur auf den Nacken, sondern auf den gesamten Bewegungsapparat in Disharmonie und Dysfunktion auswirken. Das zeigt, warum eine ganzheitliche Betrachtung so wichtig ist: Es geht nicht nur um die Stelle, an der der Schmerz sich meldet, sondern darum, wo das herkommt, bzw. um das gesamte Bewegungsmuster.

Es gibt Menschen, die jeden Tag Nackenverspannungen haben, aber gar nicht merken, dass das die Ursache für ihre Kopfschmerzen sein kann. Wie kann ich selbst herausfinden, ob mein Schmerz von Verspannungen kommt?

Edo Hemar: Viele Menschen haben sich an ihre täglichen Verspannungen und Kopfschmerzen so gewöhnt, dass sie gar nicht mehr wissen, wie es sich anfühlt, ohne Kopfschmerzen zu sein. Ein einfacher Test kann helfen:

Greifen Sie mit den Fingerspitzen oder der ganzen Hand die Muskulatur im Nacken- oder Schulterbereich. Wenn dabei ein Druckgefühl bis in den Kopf zieht oder ein Spannungsgefühl entsteht, kann das darauf hinweisen, dass die Kopfschmerzen durch muskuläre Verspannungen verursacht werden.

Darüber hinaus spielen zeitliche Faktoren eine große Rolle:

  • Wann treten die Kopfschmerzen auf?
    • Nach langen Bildschirmzeiten?
    • Nach dem Aufstehen mit steifem Nacken?
    • Nach bestimmten Bewegungen oder Dehnübungen?
  • Gibt es andere Einflussfaktoren?
    • Lebensstil, Ernährung usw.
  • Bestehen Ernährungsunverträglichkeiten oder Stresssituationen, die Kopfschmerzen begünstigen könnten?
  • Wird die Atemmuskulatur durch eine verkürzte, flache Atmung beeinflusst?

Wer sich diese Fragen stellt, kann häufig feststellen, dass muskuläre Verspannungen eine Schlüsselrolle spielen. Diese sind oft nicht nur ein Symptom, sondern können auch ein Trigger für Migräneattacken sein. Eine gezielte Entlastung und Verbesserung der Körperversorgung kann daher helfen, Schmerzen frühzeitig zu lindern.

Viele denken, dass Migräne und Spannungskopfschmerzen ganz unterschiedliche Ursachen haben. Welche Rolle spielt unsere Körperhaltung dabei, und kann eine Fehlhaltung im Rücken sogar Migräne verstärken?

Edo Hemar: Migräne und Spannungskopfschmerzen haben zwar unterschiedliche Mechanismen, aber es gibt starke Wechselwirkungen mit der Körperhaltung. Eine unvorteilhafte, angestrengte, ermüdende längere Haltung – vor allem eine nach vorne geneigte Kopfhaltung – kann die Nackenmuskulatur dauerhaft überlasten und Verspannungen auslösen. Diese Verspannungen wiederum können auch durch eine gestörte bzw. mangelhafte Durchblutung oder die Reizung bestimmter Nerven im Nacken Migräneattacken begünstigen.

Viele Migränepatienten haben ein ausgeprägtes „Schmerzgedächtnis“ – das heißt, dass bestimmte Trigger, darunter muskuläre Verspannungen, den Schmerzmechanismus im Gehirn auslösen können. Eine Fehlhaltung im Rücken, die zu anhaltenden Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führt, kann somit tatsächlich Migräne verstärken oder häufiger auslösen. Daher ist es entscheidend, nicht nur den Schmerz zu behandeln, sondern auch präventiv bzw. zielgerichtet zu trainieren und somit für eine gesunde funktionelle Erhaltung der Beweglichkeit zu sorgen. 

Viele Menschen haben schon Physiotherapie oder Massagen ausprobiert, aber die Schmerzen kommen immer wieder zurück. Warum? Welche notwendigen Schnittstellen sehen Sie in der Schmerzbehandlung?

Edo Hemar: Grundsätzlich muss man sagen, dass Ärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen und Masseure immer ihr Bestes geben und versuchen, die Verspannungen so gut wie möglich zu lösen. Aber die eigentlichen schmerzauslösenden Faktoren entstehen im Alltag – durch regelmäßig unvorteilhafte Bewegungsmuster, Stressroutinen und Fehlhaltungen, die sich über Jahre konditionieren und entwickeln.

Aus den Berichten der Patienten aus der Praxis wissen wir, dass oft nur das Symptom behandelt wird, aber nicht die Ursache. Ein klassisches Beispiel:

Ein Patient mit Nackenschmerzen bekommt eine Massage oder eine manuelle Therapie, die kurzfristig die Muskulatur entspannt. Doch wenn er danach wieder in seine alte Haltung am Schreibtisch zurückkehrt oder weiterhin stressbedingt die Schultern hochzieht, verspannt sich das gesamte System wieder.

Die Ursache – die Fehlhaltung, Stress oder eine unvorteilhafte Belastung – bleibt unverändert/unbehandelt.

Das ist, als würde man Wasser aus einem undichten Boot schöpfen, anstatt das Loch zu reparieren. Gerade bei chronischen Schmerzen reicht eine einmalige Behandlung nicht aus, anders als bei akuten Beschwerden.

Viele Patienten haben im Alltag Faktoren, die ihre Schmerzen immer wieder auslösen:

  • Dauerhafte Fehlhaltung: eine ungeeignete, unvorteilhafte Sitzposition, einseitige Belastungen oder monotone Bewegungsmuster im Job.
  • Überlastung und Ermüdung von Muskulatur, Faszien und Bindegewebe: Fehlbelastungen durch zu wenig Bewegung oder ungünstige Bewegungsabläufe.
  • Flachatmung und schlechte Sauerstoffversorgung: Stressbedingtes, flaches Atmen kann die Muskulatur weiter verspannen und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen.
  • Fehlende regelmäßige, fachkompetente und intradisziplinäre Unterstützung: Ohne gezieltes regelmäßiges Training und eine gesunde funktionelle Anpassung bzw. Konditionierung wird die Ursache nicht behoben.

Eine ganzheitliche Betrachtung der Symptome ist dagegen entscheidend:

  • fachkompetente ärztliche Untersuchung mit Diagnose
  • gezielte individuelle bzw. indikationsspezifische Physiotherapie, um gezielter/genauer an den Ursachen zu arbeiten
  • Eigenübungen im Alltag – Bewegung, Haltungsschulung – und aktive Anpassung der Sitzposition nach arbeitsplatzergonomischen Gesichtspunkten
  • Atmung und Entspannungstechniken, um stressbedingte Verspannungen zu reduzieren
  • ergonomische Anpassungen – wie der richtige Arbeitsplatz, regelmäßige Bewegungspausen und dynamisches Sitzen
  • Hydration und Ernährung – oft unterschätzt: Nur eine gute Entsorgung unterstützt und fördert die gute bzw. bessere Versorgung des Gewebes bei der Regeneration.

Fazit: Nur wer aktiv und regelmäßig an seinen Haltungs- und Bewegungsmustern arbeitet, kann damit langfristig Schmerzen besser in den Griff bekommen. Passive Behandlung allein reicht nicht aus – man muss erkennen, woher der Schmerz kommt, und ihn auch aktiv an der Wurzel packen.

Digitale Lösungen wie die medicalmotion-App setzen genau dort an, wo herkömmliche Therapie oft aufhört – nämlich an der ganzheitlichen Schmerztherapie. Wie können digitale Tools helfen, den Teufelskreis aus Verspannung und Schmerz zu durchbrechen?

Edo Hemar: Digitalisierung ist nicht automatisch die Lösung für alles – besonders in der Schmerztherapie. Ohne eine individuelle fachkompetente und interdisziplinäre Anpassung an den Patienten bleibt der tatsächliche Mehrwert oft begrenzt. Wenn man es aus therapeutischer Sicht betrachtet, müssen digitale Anwendungen bestimmte Anforderungen erfüllen, um wirklich wirksam zu sein.

Eine der wichtigsten Anforderungen ist die dynamische funktionelle Anpassung an unterschiedliche Schmerzverläufe, die sich im Alltag des Patienten verändern. Schmerzen sind nicht statisch, sondern abhängig von Faktoren wie Haltung, Bewegung, Stress, Tageszeit oder Muskelspannung. Damit der Patient sicher und effektiv zu Hause weiter trainieren kann, muss die Therapie an diese Anforderungen angepasst sein bzw. auf sie reagieren.

Intelligente Anwendungen wie medicalmotion setzen genau hier an. Sie bieten nicht nur eine digitale Möglichkeit zur Schmerzlinderung, sondern nutzen KI-gestützte Individualisierung, um die Therapie medizinisch gezielt an den jeweiligen Patienten anzupassen. medicalmotion ermöglicht eine kontinuierliche Analyse des Schmerzverlaufs sowie eine entsprechende Anpassung der Therapie. Das ist besonders wichtig bei chronischen Schmerzen und Migräne, da diese Beschwerden oft gezielte dynamische Begleitung benötigen. Die gleichen Übungen sind nicht in jeder Schmerzphase sinnvoll.

Ein Beispiel:

Manche Migränepatienten spüren vor einer Attacke eine wachsende Nackenspannung. In dieser Phase kann eine gezielte Bewegungstherapie helfen, die Migräne abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Hat die Attacke bereits begonnen, müssen die Übungen jedoch gezielt angepasst werden – dann geht es eher um sanfte Bewegungen und Entspannung bzw. Lösung der verspannten Muskulatur statt um aktive Kräftigung.

Eine wirklich wirksame digitale Therapie muss also:

  • den Schmerzverlauf in Echtzeit analysieren und begleiten
  • die Übungen an die jeweilige Phase anpassen
  • zwischen präventiven sowie chronischen und akuten Maßnahmen unterscheiden
  • die Therapie individuell an das aktuelle Beschwerdebild und die Bedürfnisse des Patienten angleichen

Intelligente Anwendungen wie medicalmotion setzen hier kompetent, zielgerichtet an und ermöglichen eine KI-gestützte, medizinisch fundierte Therapie, die den Teufelskreis aus Verspannungen, Überlastungen und Schmerzsyndromen durchbricht.

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Alle Informationen rund um die digitale Schmerztherapie mit medicalmotion und wie Sie sie in Anspruch nehmen können, lesen Sie hier: Digitale Schmerztherapie I Mobil Krankenkasse

„Durch medicalmotion werden mir gezielte Übungen für meine Schmerzbereiche, die ich durch Arthrose habe, angeboten (ich bin 64 Jahre alt). Auch wenn ich noch nicht sehr lange dabei bin, so kann ich feststellen, medicalmotion bietet mir viele verschiedene Möglichkeiten, meinen Alltag schmerzfreier zu gestalten. Weiter so. Viele Grüße M. W.“ Margitta W., 64 Jahre, Versicherte bei der Mobil Krankenkasse

„Ich bin begeistert von dieser App, da sie immer Übungen passend zu meinen Problemen findet. Es ist für mich motivierend, weiter zu trainieren, da die Übungen sehr gut zu meinem Wohlbefinden beitragen. Ich leide unter Polyarthritis und so schmerzen oft verschiedene Körperregionen. Mittlerweile habe ich schon nach einem Oberschenkelhalsbruch eine künstliche Hüfte, die mir oft auch Probleme bereitet. Dann sind eure Dehnübungen auch unter Schmerzen wirklich effektiv und lindern meine Beschwerden. Ich kann die App nur jedem empfehlen.“ Angelika L., 69 Jahre, Versicherte bei der Mobil Krankenkasse

Wenn Sie einem Menschen mit chronischen Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen nur drei Dinge mit auf den Weg geben könnten, um langfristig schmerzfreier zu leben – welche wären das?

Edo Hemar: 1. Bewegung ist Medizin – bewegen Sie sich jeden Tag

Machen Sie anstatt eines nicht vorteilhaften Sportes ein gezieltes, individuelles Gesundheitstraining.
Der Körper ist für Bewegung gemacht. Es geht nicht darum, Höchstleistungen zu erbringen, sondern darum, sich regelmäßig, fachkompetent, gezielt zu mobilisieren und den eigenen Körper funktional zu stärken und zu unterstützen.

2. Schmerz als Warnsignal verstehen – entwickeln Sie Ihre eigene Strategie
Schmerzen sind keine isolierten Störungen, sondern Signale des Körpers, die uns auf eine Dysfunktion hinweisen. Anstatt nur Symptome zu behandeln, sollten Sie lernen, die Ursache(n) zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten. Entwickeln Sie Routinen, die Ihnen helfen, langfristig schmerzfrei zu bleiben.

3. Trinken Sie jeden Tag ausreichend stilles Wasser
Eine gute Hydration unterstützt die wertvolle und wichtige Entsorgung, Versorgung und Regeneration des Gewebes, verbessert die Durchblutung und kann Verspannungen reduzieren. Zu viel und nur kohlensäurehaltige Getränke können den Körper zusätzlich belasten. Setzen Sie daher auf stilles Wasser, um den Stoffwechsel optimal zu unterstützen.

Mobil Krankenkasse: Herr Hemar, vielen Dank für die vielen wertvollen Impulse!

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