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Ausgabe 03/2021
Familie 03/2021
Eine schwangere Frau sitzt auf einem Bett und hält liebevoll eine Hand auf ihren Bauch Aktuelle Ausgabe

Kinderwunsch­behand­lung – unser Weg zum Wunschkind

Vier Jahre sind Susanne, damals 24 Jahre jung, und ihr Freund, damals 26 Jahre jung, ein Paar, als sie beschließen, gemeinsam eine Familie mit Kindern zu gründen. Warum es fünf Jahre dauerte, bis die erste Tochter geboren wurde, und was die beiden auf ihrem Weg vom Kinderwunsch bis zur Geburt erlebt haben, erzählt uns Susanne selbst:

Eine Mutmachgeschichte

Miutter läuft mit Kindern an der Hand einen Weg entlang
Susanne ist heute 40 und hat zwei gesunde Töchter mithilfe einer Kinderwunschbehandlung bekommen. Sie geht im Freundes- und Verwandtenkreis offen mit diesem Thema um, möchte aber zum Schutz ihrer Privatsphäre hier nur ihren Vornamen lesen. Wir freuen uns, dass sie uns ihre Geschichte erzählt hat.

Wir sind seit 2001 zusammen und haben dann, wie so viele Paare, nach vier Jahren gedacht, das passt, wir wollen mehr, und haben angefangen, aktiv zu „üben“. Als nach einiger Zeit immer noch nichts passiert war, haben wir versucht, das richtige Timing mit Hilfe von Ovulationstests zu bestimmen. Nachdem auch diese Versuche wirkungslos waren, wandte ich mich an meinen damaligen Frauenarzt, da ich der Meinung war, dass dieser der perfekte Ansprechpartner sein müsste. Das Ergebnis war ernüchternd: Mein Partner und ich sollten uns mal bei einer langen Reise entspannen, dann klappt das auch. Nach 1,5 Jahren „Übung“ und als gesunde, junge Menschen erschien uns das wie Hohn. Also habe ich die Praxis gewechselt. Die neue Frauenärztin schickte als Erstes meinen Mann zum Urologen. Dort wurde alles Mögliche getestet, im Nachhinein eine Zeitverschwendung. Zwei Jahre probierten wir es nun schon ohne Erfolg.

Als dann im Freundeskreis die ersten Frauen, teilweise ungeplant, schwanger wurden, wuchs der innere Druck. Ich habe dann begonnen, mich mit Hilfe des Internets mit dem Thema Kinderwunschbehandlung auseinanderzusetzen. Dabei musste ich erst mal feststellen, dass das gar nicht so einfach war, da es Kinderwunschkliniken nicht an jeder Ecke gibt. Wir entschieden uns für eine Behandlung in der Uniklinik in Lübeck, was zwar nicht in der Nähe, aber gut für uns zu erreichen war. Nachdem wir fünf Monate auf einen Termin gewartet haben, kam die große Ernüchterung: Wir wussten, dass eine Kinderwunschbehandlung kostet, aber gleich so viel? Und eine weitere überraschende Hürde war, dass wir für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse verheiratet sein mussten. Das haben wir nie geplant. Natürlich ist es schön, verheiratet zu sein, aber wir wären auch ohne Eheschließung glücklich geworden. Das offizielle Jasagen beim Standesamt erfolgte nur aufgrund der geplanten Behandlung.

Der Prozess, der dann, nachdem alle Formalitäten geklärt waren, folgte, dauerte noch einmal viele Monate. Für die Papiere war es übrigens wichtig, dass das „Problem“ bei meinem Mann lag. Seine Spermienqualität war zu gering. In unserem Fall bedeutete das, dass seine Krankenkasse den vorgesehenen Anteil übernommen hat. Nach einigen gentechnischen Untersuchungen folgte dann durch die Uniklinik die Empfehlung zur Insemination. Bei dieser Methode wird das Sperma aufbereitet und injiziert. Zur Vorbereitung musste ich Hormone nehmen. Dreimal haben wir die Insemination ausprobiert, aber auch das blieb leider erfolglos. Die Spermienqualität war einfach nicht ausreichend. In Abstimmung mit den behandelnden Ärzten wechselten wir zur intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, kurz ICSI. Es ist so, dass bei Frauen bis zum 30. Geburtstag maximal zwei befruchtete Eizellen eingesetzt werden, vorausgesetzt natürlich, die entwickeln sich. Ab 30 sind es drei Eizellen, da mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung leider sinkt. Für diesen Schritt habe ich wieder Hormone bekommen, um die Bildung der Eibläschen anzuregen. Es wurden dann zwölf Follikel (Eibläschen) unter Narkose entnommen, davon enthielten vier Eizellen. In jede wurde das aufbereitete Sperma meines Mannes injiziert. Am Ende gab es zwei Eizellen, die sich geteilt hatten und somit zum Einsetzen geeignet waren. Am 4. November 2009 wurden mir die geteilten Zellen vaginal eingesetzt. Eine amüsante Anekdote in diesem Zusammenhang ist: Natürlich wusste ich, dass in einem Universitätsklinikum auch Studierende bei der Behandlung anwesend sein können. Mit so vielen Zuschauern, die diesen für uns als Familie bedeutenden Moment gespannt mitverfolgen, hätte ich dann aber doch nicht gerechnet. Ich habe es mit Humor genommen.
Für die nächsten Tage und Wochen nahm ich Gelbkörperhormone, um die Einnistung der befruchteten Eizellen zu unterstützen. Was soll ich sagen: Im Juli 2010 wurde unsere große Tochter geboren. Wir waren überglücklich.

Mit einem zweiten Kind ließen wir uns zunächst Zeit. Wir waren uns nicht sicher, ob wir nicht schon zu dritt „komplett“ waren. Es zeigte sich, dass dem nicht so war – wir wollten noch ein zweites Kind. Was wir bei der zweiten Behandlung, die wir diesmal in einem Kinderwunschzentrum in Hamburg durchführen ließen, nicht bedacht hatten: Im Laufe der Jahre war ich natürlich älter geworden und der Körper einer Frau produziert nicht durchgängig bis zur Menopause jeden Monat gleich viele Eizellen und damit Möglichkeiten, schwanger zu werden. Im Gegenteil: Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr nimmt die Anzahl stetig ab. Zur 40 hin bekommt die Produktion noch einmal einen kleinen, kurzen Schwung nach oben, aber dann war es das auch.
Ich war 35, als die erste ICSI für unser zweites Wunschkind leider nicht geklappt hat. Schon in der Petrischale war der Versuch beendet, als die Eizelle gemeinsam mit dem Samen nicht das Stadium der Zellteilung erreichte. Beim zweiten Mal hatten wir mehr Glück: Unter acht Follikeln gab es eine mögliche Eizelle, die sich mit dem injizierten Sperma auch ganz prächtig entwickelte. Die Chance, dass sich die Eizelle dann aber auch einnistet, war mit einer Eizelle jedoch sehr gering. Dennoch konnten wir neun Monate später, im Jahr 2016, unsere zweite gesunde Tochter in die Arme schließen.

In unserem Freundeskreis sind wir offen mit unserem Kinderwunsch und der damit zusammenhängenden Behandlung umgegangen. Ich glaube, das macht das Leben leichter. Dennoch gab es natürlich einige Menschen, die wir nicht im Vorfeld informiert haben. Das führte dann auch prompt zu der Situation, dass wir zu unserer Hochzeit 2007 eine Babyerstausstattung mit Windeln, Schnuller und Strampler geschenkt bekamen. Wenn man bedenkt, was für ein langer Weg da noch vor uns lag und wie lange wir es auf der anderen Seite schon versucht hatten, dann ist das natürlich eher ein unsensibles Präsent. Andererseits wusste der Schenkende nichts davon und wir nahmen es ihm natürlich auch nicht übel. Um derartige unangenehme Situationen für sich selbst und seine Gegenüber zu vermeiden, kann ich nur raten, offen mit dem Thema zu sein.

Ich möchte allen Paaren, bei denen das Wunschkind auf sich warten lässt, Mut machen: Bleibt dran, informiert euch, fragt nach und wechselt auch mal die Praxis, wenn ihr euch bei der bisherigen nicht gut aufgehoben fühlt.

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