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Bouldern: Warum Klettern ohne Seil Körper und Kopf stark macht
Auf den ersten Blick sieht Bouldern nach Kraftsport aus: Menschen hängen an bunten Griffen, ziehen sich an Wänden hoch und landen weich auf dicken Matten. Doch wer es ausprobiert, merkt schnell, dass es nicht nur um Muskeln geht. Bouldern ist Bewegung, Konzentration und Problemlösen – und oft auch ein kleines Erfolgserlebnis nach dem anderen.
Bouldern fordert Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Vor allem aber lädt es dazu ein, den eigenen Körper neu kennenzulernen. Sie müssen nicht perfekt sein, um anzufangen. Es reicht, neugierig zu sein, aufmerksam zu bleiben und sich Schritt für Schritt an neue Bewegungen heranzutasten.
Wer sicher startet, auf seinen Körper hört und Pausen ernst nimmt, kann mit dem Bouldern viel gewinnen: mehr Kraft, mehr Beweglichkeit, mehr Vertrauen – und vielleicht eine neue Lieblingsbeschäftigung für den Feierabend.
Was ist eigentlich Bouldern?
Beim Bouldern klettert man in Absprunghöhe, meist in der Halle und ohne Seil und Gurt. Die Wände sind niedriger als beim klassischen Klettern und es liegen dicke Matten darunter. Anstatt lange Routen zu klettern, lösen Bouldernde kurze Bewegungsaufgaben. Dabei geht es darum, mit Technik, Gleichgewicht und Kraft vom Start- bis zum Zielgriff zu gelangen.
Das Schöne daran: Man muss nicht besonders sportlich sein, um anzufangen. In Boulderhallen gibt es Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Viele Einsteigerinnen und Einsteiger erleben schon nach kurzer Zeit, dass nicht die stärksten Arme entscheidend sind, sondern kluge Bewegungen. Wo setze ich den Fuß hin? Wie verlagere ich mein Gewicht? Wann lohnt sich ein Umweg?
Ein Ganzkörpertraining, das sich nicht wie Training anfühlt
Beim Bouldern wird fast der ganze Körper beansprucht. Die Finger, Unterarme, Schultern und der Rücken halten und ziehen. Die Beine und das Gesäß drücken nach oben. Die Körpermitte stabilisiert dabei jede Bewegung. Gleichzeitig werden Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht trainiert.
Damit passt Bouldern gut zu den allgemeinen Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung, ergänzt durch muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche¹. Bouldern kann einen motivierenden Beitrag dazu leisten, vor allem, weil dabei Kraft, Beweglichkeit und Konzentration gleichzeitig gefordert werden.
Viele Menschen bleiben gerade deshalb dran, weil eine Boulderroute sich weniger wie ein „Sportprogramm“ anfühlt, sondern eher wie ein Rätsel. Wer oben ankommt, hat nicht nur trainiert, sondern auch etwas geschafft.
Gut für den Kopf: Schritt für Schritt zur Lösung
Beim Bouldern ist Aufmerksamkeit gefragt. Während Sie klettern, bleibt kaum Platz zum Grübeln. Der Blick wandert zum nächsten Griff, der Fuß sucht Halt und der Körper tastet sich vor. Diese Konzentration kann entlastend wirken – besonders nach einem Arbeitstag, an dem der Kopf voll ist.
Hinzu kommt: Bouldern ist ein Sport der kleinen Fortschritte. Eine Route gelingt vielleicht nicht beim ersten, zweiten oder dritten Versuch. Dann wird ausprobiert, beobachtet und verändert. Wer schließlich den entscheidenden Griff erreicht, erlebt Selbstwirksamkeit: Ich kann etwas lernen. Ich darf scheitern. Ich komme weiter.
Gerade für Menschen, die von klassischen Fitnessstudios wenig angesprochen werden, kann dies ein guter Zugang zu mehr Bewegung sein.
Für wen eignet sich Bouldern?
Grundsätzlich können viele Menschen bouldern, vom Kind bis ins höhere Erwachsenenalter. Wichtig ist, das eigene Niveau realistisch einzuschätzen. Wer lange keinen Sport gemacht hat, unter Gelenkproblemen leidet oder unsicher ist, sollte langsam beginnen. Bei gesundheitlichen Vorerkrankungen ist es ratsam, ärztlich abzuklären, welche Belastung sinnvoll ist.
Für Anfängerinnen und Anfänger sind leichte Routen ideal, bei denen die Füße viel Arbeit übernehmen. Denn ein häufiger Irrtum lautet, dass Bouldern vor allem eine Frage der Armkraft sei. Tatsächlich wird es leichter und sicherer, wenn Sie aus den Beinen arbeiten, die Hüfte nah an die Wand bringen und nicht jede Bewegung mit den Armen erzwingen.
Eine Einführung in der Boulderhalle ist hilfreich. Dort erfahren Sie, wie man richtig abspringt, welche Bereiche tabu sind und wie Sie andere Kletternde nicht gefährden.
Sicherheit: Die wichtigsten Regeln für den Einstieg
Der Deutsche Alpenverein empfiehlt unter anderem, sich gut aufzuwärmen, den Sturzraum freizuhalten, nicht unter anderen Kletternden durchzulaufen und das Abspringen bzw. Landen zu üben².
Praktisch bedeutet das: Wärmen Sie Finger, Handgelenke, Schultern, Hüfte und Beine gründlich auf. Starten Sie mit leichten Routen. Klettern Sie nicht bis zur völligen Erschöpfung. Springen Sie möglichst kontrolliert ab und landen Sie mit gebeugten Knien auf beiden Füßen. Lassen Sie außerdem Ihren Ehrgeiz nicht schneller klettern als Ihr Körper.
Was Sie für den Start benötigen
Für die ersten Versuche reicht bequeme Sportkleidung. Kletterschuhe können in vielen Hallen ausgeliehen werden. Sie sitzen enger als normale Sportschuhe, sollten aber nicht schmerzhaft drücken. Magnesia, also das weiße Pulver für trockene Hände, ist nicht zwingend nötig, kann bei schwitzigen Händen aber hilfreich sein.
Planen Sie für den Anfang eher eine kurze Einheit ein. Eine Stunde Bouldern kann ausreichen, da Finger, Sehnen und Unterarme ungewohnten Belastungen ausgesetzt sind. Pausen gehören dazu. Wer anderen beim Klettern zuschaut, kann genauso viel lernen wie beim eigenen Versuch.
Warum Bouldern verbindet
Bouldern ist ein erstaunlich sozialer Sport. Obwohl man die Route allein klettert, wird häufig gemeinsam überlegt: „Setz den linken Fuß höher!” „Dreh die Hüfte ein.” „Nimm erst den großen Griff rechts.“ In der Halle entstehen so schnell Gespräche – auch zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten.
Das macht Bouldern niedrigschwellig: Man kann allein hingehen und trotzdem nicht allein bleiben. Für viele ist genau das ein Grund, regelmäßig wiederzukommen.
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