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Hilfe fürs Knie: Wann eine Meniskustransplantation helfen kann
Eine Meniskustransplantation ist ein hochspezialisierter Eingriff, der nur in ausgewählten Fällen infrage kommt. Prof. Dr. med. Philipp Niemeyer erläutert, unter welchen Umständen der Eingriff sinnvoll sein kann und welche Chancen er bietet.
Die Mobil Krankenkasse hat ihr Vertragsangebot mit dem Orthopädisch-Chirurgischen Versorgungszentrum München (OCM) zum Jahresbeginn 2026 erweitert. Neu aufgenommen wurde unter anderem die Meniskustransplantation – ein hochspezialisiertes Verfahren, das in Deutschland bislang nur selten durchgeführt wird und nur für ausgewählte Fälle geeignet ist. Die Behandlung kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen infrage, etwa bei fehlender Meniskuswurzel oder Randleiste, stabilem Kniegelenk, gerader Beinachse und in der Regel einem Alter unter 50 Jahren.
Herr Prof. Dr. Niemeyer, was genau ist eine Meniskustransplantation und in welchen Fällen kann sie eine sinnvolle Behandlungsoption sein?
Prof. Dr. Niemeyer: Die Meniskustransplantation ist die einzige Möglichkeit, verloren gegangenes Meniskusgewebe wieder zu ersetzen. Zwar wurden in der Vergangenheit auch künstliche Meniskusimplantate oder Teilersatzverfahren entwickelt, die besten Ergebnisse zeigt jedoch weiterhin die Transplantation eines Spendermeniskus von einer verstorbenen Person. Anders als Organspenden besteht hier nicht das Problem einer potenziellen Abstoßung durch das Immunsystem. Deshalb müssen nach der Operation auch keine Medikamente zur Unterdrückung einer solchen Abstoßung eingenommen werden. Das „Matching“, also die Auswahl eines passenden Transplantats, erfolgt anders als bei Organen nach der Größe des Meniskus.
Das Verfahren kommt vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten infrage, die beispielsweise durch einen Unfall oder eine Sportverletzung große Teile des Meniskus verloren haben. Entscheidend ist dabei, dass das Kniegelenk selbst noch nicht fortgeschritten geschädigt ist. Ziel der Meniskustransplantation ist es, das Gelenk langfristig zu schützen und die Entstehung einer Arthrose möglichst zu verhindern oder zumindest deutlich zu verzögern.
Warum ist die Meniskustransplantation kein Routineeingriff, sondern nur für eine kleine Gruppe von Patientinnen und Patienten geeignet?
Prof. Dr. Niemeyer: Die Meniskustransplantation eignet sich nur für eine sehr ausgewählte Patientengruppe. Liegt bereits eine fortgeschrittene Arthrose vor, ist das Verfahren in der Regel nicht mehr sinnvoll. Ein transplantierter Meniskus kann ein bereits stark geschädigtes Gelenk nicht wieder „gesund machen“.
Das Verfahren richtet sich daher vor allem an junge und aktive Patientinnen und Patienten mit einem isolierten Meniskusverlust, bei denen das Kniegelenk ansonsten noch vergleichsweise gut erhalten ist. Ziel ist nicht primär die Behandlung einer bestehenden Arthrose, sondern vielmehr der langfristige Schutz des Gelenks vor weiterem Verschleiß.
Welche medizinischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Patientin bzw. ein Patient für eine Meniskustransplantation infrage kommt?
Prof. Dr. Niemeyer: Damit eine Meniskustransplantation sinnvoll ist, sollten möglichst alle weiteren Risikofaktoren für eine Arthrose ausgeschlossen oder behandelt sein. Das bedeutet insbesondere:
- Das Kniegelenk sollte stabil sein, also keine relevante Bandinstabilität aufweisen.
- Die Beinachse sollte möglichst gerade sein, damit die Belastung gleichmäßig verteilt wird.
- Der Gelenkknorpel und auch der darunterliegende Knochen sollten noch nicht fortgeschritten geschädigt sein.
Falls Fehlstellungen – zum Beispiel ein O-Bein – oder Bandverletzungen vorliegen, können diese häufig zunächst korrigiert beziehungsweise behandelt werden, um die Voraussetzungen für eine spätere Meniskustransplantation zu schaffen.
Wie können Betroffene herausfinden, ob eine Meniskustransplantation für sie infrage kommt – und an wen sollten sie sich dafür zuerst wenden?
Prof. Dr. Niemeyer: Vor allem jüngere Patientinnen und Patienten mit einem unfallbedingten oder sportbedingten Meniskusverlust können für dieses Verfahren infrage kommen. Entscheidend ist eine genaue Untersuchung des Kniegelenks mit klinischer Untersuchung und moderner Bildgebung, insbesondere MRT-Aufnahmen.
Die erste Anlaufstelle kann der behandelnde Orthopäde oder Kniespezialist sein. Besteht der Verdacht, dass eine Meniskustransplantation sinnvoll sein könnte, erfolgt die weitere Beurteilung in einem spezialisierten Zentrum für gelenkerhaltende Kniechirurgie. Dort wird geprüft, ob die individuellen Voraussetzungen für das Verfahren erfüllt sind und welche zusätzlichen Maßnahmen gegebenenfalls notwendig sind.
Welche Hoffnungen dürfen sich Patientinnen und Patienten von dem Eingriff machen und wo liegen die Grenzen der Meniskustransplantation?
Prof. Dr. Niemeyer: Mittlerweile gibt es gute wissenschaftliche Daten, die zeigen, dass eine Meniskustransplantation die weitere Entstehung einer Arthrose nach Meniskusverlust deutlich verzögern kann. In einzelnen Fällen kann möglicherweise sogar verhindert werden, dass sich eine relevante Arthrose entwickelt.
Wichtig ist aber: Auch nach einer erfolgreichen Operation bleibt das Kniegelenk in vielen Fällen empfindlicher als ein gesundes Gelenk. Deshalb sollten Patientinnen und Patienten das Gelenk weiterhin bewusst schützen und extreme Belastungen möglichst vermeiden.
Die Mobil Krankenkasse bietet diesen Eingriff nun im Rahmen einer besonderen vertraglichen Vereinbarung mit dem OCM an. Was bedeutet das ganz konkret für betroffene Versicherte – von der Prüfung der Voraussetzungen bis zur Behandlung in München?
Prof. Dr. Niemeyer: Das OCM in München hat mit der Mobil Krankenkasse einen Direktvertrag geschlossen. Für Versicherte bedeutet das, dass sie sich bei entsprechenden Beschwerden zunächst in der spezialisierten Sprechstunde vorstellen können.
Wird dort festgestellt, dass die medizinischen Voraussetzungen für eine Meniskustransplantation erfüllt sind, werden die Kosten des Eingriffs im Rahmen dieses Vertrags von der Krankenkasse übernommen. Anschließend kann die weitere Behandlung geplant werden.
Der Eingriff selbst erfolgt minimalinvasiv in arthroskopischer Technik und ist in der Regel nur mit einem kurzen stationären Aufenthalt verbunden.
Ist dieser Eingriff auch in anderen spezialisierten Zentren in Deutschland möglich, oder aktuell nur im OCM?
Prof. Dr. Niemeyer: Das OCM München gehört zu den spezialisierten Zentren in Deutschland, die sich auf gelenkerhaltende Eingriffe am Knie konzentrieren und Meniskustransplantationen durchführen. Das Verfahren ist jedoch nicht exklusiv auf das OCM beschränkt.
In Deutschland gibt es einige wenige weitere spezialisierte Kliniken und Zentren, die ebenfalls Erfahrung mit Meniskustransplantationen haben. Insgesamt handelt es sich jedoch weiterhin um ein hochspezialisiertes Verfahren, das nur an ausgewählten Einrichtungen angeboten wird.
Vielen Dank, Herr Prof. Dr. Niemeyer!